Falscher Gag zur falschen Zeit

Mein grosses Mundwerk. Ein flotter Spruch kann manchmal sehr schnell sehr teuer werden. Ich finde ihn aber immer noch zum Brüllen...

Motorradtour mit Folgen oder die Polizei hat keinen Humor, von dem sie wüsste

Wie ich die Leute kennengelernt habe, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls war ich öfters zu Besuch bei einigen Bikern, die auf einem in der Nähe Gelände ein Vereinsheim und einige Garagen hatten, in denen sie vorzugsweise an ihren Maschinen herumschraubten.

Deren damaliger Präsi hatte mich ins Herz geschlossen, immerhin hatte er mal von sich gegeben, für ihn wäre ich so was wie der Sohn, den er nie hatte.

Gerade zu der Zeit bestand ich meine Führerscheinprüfung. Zu diesem Anlass bekam ich von ihm, da ich in einem Aufwasch den Auto- und auch gleich den Motorradführerschein gemacht hatte, einen Ausflug mit seinem Bike geschenkt.

Das war schon die Schau: Für ihn als erklärter Easy Rider Fan hatte es zwingend eine völlig übertrieben lange Gabel. Der Wendekreis lag irgendwo in den Bereichen eines mittleren Flugzeugträgers. Das Gewicht des Maschinchens allerdings auch.

Um an den Lenker zu kommen, musste man vom Sitz fast aufstehen. Man hing im Sattel wie ein Rennpferd-Jockey. Gangschaltung und Fussbremse waren so weit vorne, dass man grotesk ausgebreitet auf dem Sattel sass. Man musste die Füsse und Arme ausstrecken wie ein Käfer auf dem Rücken.

Der Auspuff, wenn man ihn mal äusserst wohlwollend so nennen möchte, bestand effektiv aus vier sich erweiternden Rohren, die relativ nahe am Kopf endeten und meine Vermutung war, dass es kaum lauter geworden wäre, wenn man sie ganz weggelassen hätte. Vermutlich wäre es eher umgekehrt gewesen, die Trichterform dürfte die Dezibel nochmal erhöht haben.

Am Lenker waren einige Lederbänder befestigt, die mir beim Fahren ins Gesicht schlugen, so dass ich später Striemen an den Wangen hatte.

Das wichtigste Utensil aber war ein original Wehrmachtshelm, den er hatte verchromen und neu mit Innenausstattung versehen lassen. Sah richtig cool aus, erstaunlicherweise war er auch leichter als der Bundeswehrhelm, den ich einige Jahre später tragen „durfte“.

Natürlich kam es zur unvermeidlichen Polizeikontrolle. Das liess sich erst mal ganz harmlos an, mit der Aufforderung, Führerschein und Papiere zu zeigen.

Aber dann legte er los: „Fahren ohne Helm. Macht 30 Mack.“

Das konnte ich nicht auf mir sitzen lassen. Die teure Antwort war: „Mit dem Helm ist mein Opa aber bis fast nach Moskau gefahren, und es hat keine Probleme gegeben!“

Nach kurzem Zögern schnappte er: „Zeigen Sie bitte die Papiere nochmal, der Auspuff, ist der eingetragen?“

Das Ende vom Lied: Mängelanzeige, 60 Mark extra, plus Arbeit für Rückbau und nochmal bei der Polizei vorbeifahren zur Kontrolle...

Nachtrag:

Nach der Tour durch die Pfälzer Berge konnte ich tagelang die Arme nicht mehr heben und mein Nacken war stocksteif. Ausserdem haben meine Ohren noch einige Tage geklingelt. Ich kam mir vor als ob ich einen Abend im Glockenturm neben dem Geläut eingesperrt war.

Ich hatte den Präsi gefragt, wie er das macht. Schliesslich war das Bike nun wirklich extrem laut, und bei näherem Hinsehen war der Helm zwar originell. Aber nicht wirklich sicher.

Nach hartnäckigem Nachhaken kam er damit raus:

Er fuhr immer mit Integralhelm zu Biker-Treffs, der kam dann zwei Blocks vorher in die Satteltaschen, zusammen mit dem Nierengurt. Die Gehörschutz-Stöpsel in die Jackentasche. Dann den Stahlhelm auf, und nur die letzten Meter ging es zünftig weiter.